Vergleichende anatomische Untersuchungen von weich- und hartfleischigen Haworthien (Haworthia, Asphodelaceae)

Die Gattung Haworthia zählt etwa 90 Arten und kommt vorwiegend in Südafrika vor. Die Pflanzen bilden kleine, kompakte Rosetten und die Blätter sind teils mit hell gefärbten Papillen oder unterschiedlichen Farbmustern versehen (Breuer 1998). Eine Reihe von Arten funktionieren als Fensterpflanzen. Die Klassifikation dieser Gattung ist nach wie vor nicht im Detail ausgearbeitet; generell werden drei Untergattungen und eine Reihe von Sektionen unterschieden (Bayer 1999; Eggli 2001). In Kultur kann man gut zwischen Arten mit weich- oder hartfleischigen Blättern unterscheiden.

Fragestellungen: Was sind die morphologischen und anatomischen Eigenschaften der unterschiedlichen Blatttypen? Wie weit sind diese Eigenschaften verwandtschaftlich bedingt, oder aber durch die Ökologie (z.B. durch unterschiedliche Standortfaktoren, wie Niederschlagsmenge etc.) geprägt? Wie weit sind diese strukturellen Unterschiede von Bedeutung für die Austrocknungsresistenz der untersuchten Arten?

Projektarbeiten: Zuerst soll an Hand von detailierten anatomischen und mikromorphologischen Untersuchungen an einigen repräsentativen Vertretern von Haworthia der Blattbau genauer vergleichend untersucht werden. An diesen Arten sollen dann auch die funktionellen Untersuchungen durchgeführt werden. Strukturelle Unterschiede finden sich vor allem in der Ausbildung des Dermalsystems (Epidermis-Hypodermis Komplex), das für die xeromorphen Eigenschaften der Blätter verantwortlich ist. Anschliessend können durch einfache Vergleiche auf der Basis von Handschnitten die noch nicht untersuchten Arten den unterschiedenen Gruppen von Blatttypen zugeordnet werden. Im zweiten Teil des Projekts soll die Korrelation von blattmorphologischen und blattanatomischen Eigenschaften mit den gebräuchlichen Klassifika­tionen (Hypothesen zu den Verwandtschaftsverhältnissen), bzw. mit verschiedenen Umweltfaktoren (Niederschlag, Temperatur, etc.) an den Naturstandorten ermittelt werden.

Methoden: vergleichende Morphologie und Anatomie (Mikrotomschnitte, REM), Kladistik, Taxonomie, Biogeographie.

Leitung: Reto Nyffeler, Peter Linder

Literatur:
Bayer, M. B. 1999. Haworthia revisited. A revision of the genus. Hatfield, Umdaus Press.
Breuer, I. 1998. Die Gattung Haworthia im Überblick. Schumannia 2: 3-74.
Eggli, U. (ed.). 2001. Illustrated Handbook of Succulent Plants: Monocotyledons. Heidelberg, Springer Verlag.
Smith, G. F. et al. 1996. Notes on the leaf anatomy of Chortolirion and Haworthia (Aloaceae). South Afr. J. Bot. 62: 217-219.